Verlassen

Die heutige Zeit vergeht so rasend schnell. Kaum ein Augenblinzeln und wieder ist ein Jahr vorüber. Doch wenn man auf etwas schönes wartet, was man unbedingt erleben und spüren möchte, vergeht die Zeit langsam. Quälend und schleppend kriecht sie vorwärts, macht hier und dort einmal Halt und wenn dann der erwartete Augenblick gekommen ist, fließt einem die Zeit wie Sand durch die Finger.

Ich habe dich das erste Mal gesehen, dachte mir, dass du ganz nett aussiehst. Aber ich habe dich mehr und mehr mit jedem Tag beobachtet. Deine Züge, dein Lachen, deine Augen. Ich wusste von dem Moment, in dem ich mir wünschte in deinen Armen zu sein, dass unsere gemeinsame Zeit begrenzt und kurz ist. Von da an verging sie immer schneller. Jeder Abend wurde kürzer, jedes Mal wenn ich dich sah, viel mir etwas neues auf, was man Jahre hätte anschauen können. Doch dann, der letzte Abend.

Ich wusste es war soweit. Ich sah mir dich noch einmal an. Gott bist du schön. Ich verzehrte mich nach deinem Aussehen, deinem perfekten Körper, doch auch nach deinem unglaublich guten Charakter. Ich fühlte mich sicher bei dir. Geborgen.

Dann habe ich dich verlassen. Besser gesagt du mich. So, wie das eben immer läuft, eine Romanze und dann der tragische Abschied. Rasend verging die Zeit. Ich könnte immer noch weinen, ich werde dich wahrscheinlich nie wieder sehen. Vielleicht, wenn ich großes Glück habe, aber doch, in genau einem Jahr. Kriechend vergeht die Zeit bis dahin, wenn sie überhaupt vergeht.

Ein weiser Mann sagte mir einmal: „Du kannst jemandem sehr lieben, aber niemals so sehr, wie du ihn vermissen kannst.“

Vielleicht ist es genau das, was ich lernen muss: Geliebte Menschen zu verlassen. Ich habe aber keine Hoffnung mehr, weder auf Rettung, noch darauf, jemand besseren zu finden als meine bisherigen Geliebten. Alle so unterschiedlich, alle so gleich. Und alle haben mich verlassen.

Ich glaube, dass Hoffnung zwar das ist, was uns aufrecht erhält, aber am Schluss verlässt sie uns genau wie jeder andere und zerstört uns. Manchmal am meisten.

Geschrieben von Elisa am 3. Januar 2016

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